Kommentar: Chinesen shoppen in Europa, Originale gefragt

Posted on Dienstag, 31. Januar 2012

Kommentar: Chinesen shoppen in Europa, Originale gefragt

Am „Jahr des Drachens“, das nach dem chinesischen Kalender am 23. Januar begann, kann es nicht liegen. Schließlich ist es erst wenige Tage alt. Vielleicht aber haben es zurückliegende Tierkreiszeichen vermocht, sogar Kaufgewohnheiten der Chinesen zu verändern. Wundersames sollen ja auch Schlange, Ratte, Tiger oder Hase vollbringen, wenn sie ein Jahr lang Regie im Lande Regie führen.

Jedenfalls zeigt sich, dass offenbar selbst Chinesen nicht mehr so gern etwas kaufen, das exakt so aussieht wie das Original, aber eben eine Fälschung ist. Bekanntlich führt die Liste der Kopien, die dem Original täuschend ähnlich sind, Bekleidung mit vermeintlich echtem Markenlabel an; Schuhe inbegriffen. Uhren, Schmuck, Mobiltelefone, Motorroller – alles, was dank eines überzeugenden Preisvorteils reißenden Absatz verspricht, wird detailgetreu „nachempfunden“. Nicht einmal um Kosmetik machen Fälscher einen Bogen. Geradezu überschwemmt wird der Markt weltweit mit kopierten Software-Programmen „made in China“. Selbst an kompletten Automobilen haben sich chinesische Kopierkünstler schon versucht und dabei ganz Erstaunliches vollbracht; am Urheberschutz vorbei. Prompt gibt es immer wieder Ärger.

Unerwartetes ist mittlerweile zu beobachten. Immer mehr chinesische Touristen nutzen den Auslandsaufenthalt auch dazu, echte Markenware zu kaufen. Wer sich’s leisten kann, wählt auch Luxusartikel. Chinesischer Einkaufstourismus! Er blüht vor allem in Frankreich, Italien, Deutschland und Großbritannien, den beliebtesten europäischen Reisezielen. Tendenz steigend. Der Hintergrund: Das Schengen-Visum verschafft willkommene Bewegungsfreiheit im gesamten EU-Raum und hält zudem Formalitäten und Kosten in Grenzen. 2010 besuchten schon mehr als zweieinhalb Millionen Chinesen Westeuropa.

Sich mit einem Original zu schmücken, das als Statussymbol gilt, scheint vor allem jungen, beruflich erfolgreichen Chinesen wichtig. Interessant ist, dass auch chinesische Firmen, die sich mit wettbewerbsfähigen Produkten einen Namen gemacht haben, mittlerweile auf deren Schutz durch entsprechende Gesetze der chinesischen Regierung pochen.

Offensichtlich setzt selbst bei chinesischen Produzenten, die es mit dem Urheberrecht bislang nicht so genau nahmen, langsames Umdenken ein. Wer als global agierender Wettbewerber anerkannt werden und mithalten will, kann es sich nicht leisten, mit gefälschten Produkten anzutreten. Sicher wird es Produktpiraterie in China weiterhin geben, aber deren Hochzeit und stillschweigende Duldung durch den Gesetzgeber scheint am längsten gedauert zu haben. (Fischer-Partner.ORG / oto)

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